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Der Begriff der «linearen Übersetzung» stammt von Kandinsky, der 1926 in Punkt und Linie zu Fläche schreibt: «Selbstverständlich kann also jede Erscheinung der äußeren und der inneren Welt einen linearen Ausdruck erhalten – eine Art Übersetzung». Sei es ein Gewitter, eine Melodie von Johann Sebastian Bach, ein Gefühl der Angst, ein kosmischer Vorgang, ein Werk von Raffael oder ein schmerzender Zahn, all diese Phänomene lassen sich nach Kandinsky ebenso gut durch abstrakte Linienformen ausdrücken. Paul Klee überträgt in seiner Schöpferischen Konfession tatsächlich Gewitter und in seinem Bauhaus-Unterricht ein dreistimmiges Adagio von Bach in Linien. Nicht nur in der bildendenden Kunst, sondern auch im Ausdruckstanz sowie in der Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft wird im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eifrig über lineare Übersetzungen reflektiert.
Der Vortrag findet im Rahmen Projektsymposiums Ornament und Erkenntnis. Zur Verschmelzung der wissenschaftlichen und der künstlerischen Sphäre (Leitung Dr. Elisabeth Grabenweger, Universität für angewandte Kunst, Wien) statt.